Die Chichilan-Stiftung

Die Stiftung wird ihren Sitz in Basel haben, zum Gedenken an

Carl Gustav Bernoulli,
Robert Bult Sr. – meinen Vater – und
Christoph Bernoulli.

Carl Gustav Bernoulli (1834–1878)

Der Arzt, Biologe und Forschungsreisende liess sich 1858 als Arzt in Guatemala nieder. Während fast zwanzig Jahren bereiste er das Land und widmete sich dessen Flora, Fauna sowie den Überresten der Maya-Kultur.

Er gehörte zu den ersten Gelehrten, die die damals erst kürzlich entdeckten und unter dem Dschungel verborgenen Ruinen von Tikal untersuchten und die Bedeutung ihrer Monumente erkannten.

Im Jahr 1877 entdeckte er die Tafeln des Tempels IV, rund 1’200 Jahre alte Kunstwerke, die dank der Härte des Sapodillaholzes aussergewöhnlich gut erhalten geblieben waren.

Nachdem es ihm gelungen war, die notwendigen finanziellen Mittel für ihren Transport nach Basel aufzubringen, erhielt er von den guatemaltekischen Behörden die entsprechende Genehmigung.

Es folgte eine zweimonatige Reise durch den subtropischen Regenwald, wobei die Tafeln von Trägern transportiert wurden und keinerlei Wege vorhanden waren. Anschließend wurden sie über den Atlantik verschifft und schliesslich im Jahr 1879 über Hamburg nach Basel gebracht.

Bernoulli, der schwer erkrankt war, starb bedauerlicherweise noch im selben Jahr, bevor er miterleben konnte, wie die Tafeln in die Sammlungen des Museums der Kulturen aufgenommen wurden. Von dort aus spielten sie in den folgenden Jahrzehnten eine bedeutende Rolle bei der Entzifferung der Maya-Glyphenschrift sowie beim Verständnis der politischen und religiösen Geschichte des grössten Maya-Stadtstaates.

Basel verdankt diesem Bernoulli seinen wertvollsten Schatz über sämtliche Sammlungen hinweg: das bedeutendste Werk der angesehensten Zivilisation des amerikanischen Kontinents, das heute in Europa erhalten ist.

Mein Vater (1899–1982)

Als Industrieller gründete er die erste und bedeutendste Reifenfabrik der Schweiz, deren Produkte in ganz Europa vertrieben wurden.

Während des Zweiten Weltkriegs gelang es Robert Bult Sr., die Freien Französischen Streitkräfte mit in Basel hergestellten Firestone-Reifen zu beliefern. Für diese Leistung wurde ihm von General de Gaulle die Ehrenlegion verliehen.

Ja, dank meines Vaters kann Basel für sich in Anspruch nehmen, im Rahmen seiner Möglichkeiten zum endgültigen Sieg über die Nationalsozialisten beigetragen zu haben.

Auf persönlicher Ebene war mein Vater der einzige Mensch in meiner Familie, der mir jemals Zuneigung entgegenbrachte.

Nachdem er sich angesichts der Niedertracht seines ältesten Sohnes, Robert Bult Jr., meiner eigenen Mutter, seiner letzten Ehefrau, sowie einer Basler Bank, der er glaubte vertrauen zu können, wohl im Grabe umgedreht haben dürfte – nachdem sie sich gemeinsam auf betrügerische Weise des gesamten Geldes bemächtigt hatten, das er für mich zurückgelegt hatte –, soll er nun endlich in Frieden ruhen können.

Christoph Bernoulli (1897–1981)

Dieser Freund meines Vaters war ein Verwandter jener Mathematiker, denen die Menschheit unter anderem die Bernoulli-Versuche, die Bernoulli-Zahlen und die Bernoulli-Lemniskate verdankt. Ebenso wie Carl Gustav Bernoulli gehörte auch er zu dieser Familie.

Dieser Freund meines Vaters, wie ich sagte, überzeugte ihn davon, mir seinen beziehungsweise unseren Vornamen zu geben.

Leider begegnete ich ihm nur drei- oder viermal, da Robert Bult Sr. seinen Ruhestand in Südfrankreich verbracht hatte. Zudem war ich damals noch zu jung, um mit ihm ein wirkliches Gespräch führen zu können. Dennoch erinnere ich mich bis heute an seine verschmitzte Fröhlichkeit.

Nun obliegt es der Chichilan-Stiftung, ein Museum zu schaffen, das den kulturellen Räumen würdig ist, die dieser Kunstsammler und grosse Gelehrte selbst ins Leben gerufen hatte.